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Die C41 Farbentwicklung

Hier ist er nun, der versprochene vierte und letzte Teil zum Thema Filmentwicklung im Prozess C41 (Hier geht es zu Teil1, Teil2 und Teil3).

In diesem Artikel geht es also nun konkret um die Entwicklung von Farbfilmen. Der Film ist inzwischen aufgespult und alle Materialien stehen bereit. Ich arbeite in der Küche, da ich nur dort ein tiefes Waschbecken mit geradem Boden habe. Alles was entfernt nach Lebensmittel aussieht, verschwindet erstmal aus der Reichweite.

Handschuhe an, es geht los! Erstmalige Vorbereitung der Chemie

Tetenal liefert seine Entwicklungschemie als Konzentrat. Vor der ersten Benutzung müssen die drei Bäder daher mit demineralisiertem / destilliertem Wasser (bei Leitungswasser gibt es sonst Kalkflecken auf dem Film) gemäß der Anleitung aufgefüllt werden. Ich fülle die Chemie gleich in die vorgesehen (und beschrifteten!) Flaschen. Achtung: 1 Tropfen Bleiche (BX, bleach fix) im Entwickler (CD, color developer) und dieser ist Abfall! Also immer erst die Flasche des Entwicklers schliessen bevor mit der Bleiche gearbeitet wird (auch nachher während der Entwicklung).

Vorwärmen der Chemie und der Entwicklerdose.

Wie schon beschrieben erfolgt die Entwicklung bei einer Temperatur von 38° C. Chemie und Filmdose müssen also auf diese Temperatur gebracht werden. Dazu fülle ich das Waschbecken mit maximal warmem Leitungswasser (i.d.R. ~55°) und stelle die 3 Flaschen mit der Chemie dort rein. Gleichzeitig fülle ich relativ heisses Wasser (ideal: 38°) in die Dose, um diese ebenfalls vorzuwärmen (Tetenal empfiehlt 5 Minuten).

Die Flaschen von Bleiche (BX) und Stabi (STAB, stabilizer) bleiben geschlossen, die vom Entwickler (CD) öffne ich und stelle das Thermometer rein. Mit diesem rühre ich regelmäßig um, damit die Temperatur sich gleichmäßig verteilt.  Wirklich Kritisch von der Temperatur ist übrigens nur der Entwickler (38° ± 0,5°). Das Bleichbad darf sich schon im Bereich von 38° ± 5°  sein, das Stabibad im Bereich 20-40°.

Sobald die Temperatur ca. 36° erreicht hat, entleere ich das Vorwärmwasser aus der Dose. (nicht wundern: das Wasser aus der Dose kann durch den Film stark verfärbt sein. Das ist normal).

Stopuhr vorbereiten

Sind 38° erreicht geht es los. Grundsätzlich gilt für die Zeiten die folgende Regel: Die Uhr wird mit dem Beginn des einfüllens gestartet. Das Ablassen der Chemie beginnt nach Ablauf des Timers. Für das Tetenal Colortec Rapid Kit gelten die folgenden Zeiten:

  • Entwickler: 3:15 Minuten
  • Bleiche: 4:00 Minuten
  • Wässerung: 3:00 Minuten
  • Stabilisierung: 1:00 Minute

Entwicklung

Nach dem einfüllen der Chemie kippe ich die Dose ca. 10 Sekunden (4 Rotationen). Dies wiederholt sich nun alle 30 Sekunden. Nach den ersten 30 Sekunden lasse ich ausserdem das Wasser aus der Spüle, damit das Bleichbad nicht zu warm wird.

Nach dem ausgiessen unbedingt die Flasche des Entwicklers wieder schliessen, bevor die Bleiche geöffnet wird (siehe oben)!

Bleichen

Der Vorgang beim Bleichbad ist exakt wie bei der Entwicklung. Einziger Unterschied: es entsteht Gas, das gelegentlich abgelassen werden muss (Wenn ich es richtig erinnere ist es nur Sauerstoff). Nach dem Bleichen ist der Film nun lichtfest und die Dose kann geöffnet werden! Juhu, ein erster Blick auf das Ergebnis ist jetzt möglich. Aber nicht erschrecken: der Film sieht noch sehr trüb aus, das ändert sich sobald er trocken ist.

Wässern

Die Wässerung sollte am besten unter handwarmen, fliessenden Wasser erfolgen. Alternativ erlaubt die Anleitung auch einen Wasserwechsel alle 30 Sekunden mit entsprechender Verlängerung der Wässerung.

Stabilisierung

Das Stabilisierungsbad wird einfach nur vorsichtig in die offene Dose gegeben. Bitte nicht groß schütteln oder umrühren, da der STAB Tenside enthält die schnell schäumen. Nach 1 Minute einfach die Spule aus der Dose nehmen und vorsichtig öffnen um den Film zu entnehmen. Den Film jetzt, noch klatschnass, an einer Klammer zum trocknen aufhängen. An das lose Ende hänge ich immer noch eine zweite Klammer, damit er schön gerade hängt. Ich trockne den Film immer im Bad, da es dort relativ staubarm ist. Am besten vorher noch einmal die Dusche laufen lassen, da das Wasser noch einigen Staub aus der Luft wäscht. Nun noch ca. 1-3 Stunden warten und es kann gescannt werden!

Video

Damit ihr euch das bildlich vorstellen könnt, hier noch ein Video. Bitte unbedingt die Hinweise nach dem Video beachten!

  • Die angegebenen Zeiten stimmen nicht für das Tetenal Colortec Rapid Kit (siehe oben)
  • Es ist im Prozess eigentlich keine Schlusswässerung nach dem Stabilierungsbad vorgesehen. Auch das Photoflo kann man sich sparen, dies ist ebenfalls im STAB enthalten
  • Vom abwischen des Films mit einem Lappen würde ich, wegen akuter Gefahr von Kratzern, dringend abraten.
  • 1 Minute vorwärmen der Dose ist laut Anleitung zu wenig

Photo © JMC with Holga

13 Gedanken zu „Die C41 Farbentwicklung“

  1. Danke für die Serie. Hab zu Hause noch drei belichtet Filme liegen die ich noch selber Entwickeln will. Bisher fehlte nur noch die richtige Motivation + die „Angst vorm ersten Mal“.

  2. Vielen Dank! Dir wünsche ich viel Spaß und Erfolg! Wenn du noch fragen hast schicke eine DM.

  3. das ganze lässt sich auch wunderbar bei 25°C durchführen. Es dauert dann zwar länger (ca. 13min ) reagiert dafür aber nicht mehr so empfindlich auf Temperaturschwankungen. Nach dem Vorwässern kippt man die Dose dann alle 30sec einmal und gut ists.

  4. Danke Ralf für den Tipp, werde ich bei Zeiten mal ausprobieren!

    Und ein Dank an den Stilpirat für den Link!

  5. Ha!
    Dich hat der Himmel geschickt, ich weiss es ganz genau!
    Freu mir gerade ein Loch in den Bauch:
    Endlich mal jemand, der kein Hexenwerk draus und Mut macht, anstatt Verunsicherung zu verbreiten.

    Vielen lieben Dank!
    Chemie ist bestellt.

    Alles wird gut,
    Sylvie

  6. Moin, super Tutorial! – Kurze Frage: Bei der S/W-Entwicklung kann der Entwickler nicht wiederverwendet werden .. ist das hier anders?

  7. Hi Roland,

    vielen Dank!

    Ja, der Entwickler (bzw. die gesamte Chemie) ist auf den mehrfachen Einsatz ausgelegt. Das Handbuch von Tetenal gibt eine Ergiebigkeit von bis zu 16 ISO 200 Filmen pro Liter an (aber nur, wenn immer 4 KB Filme gleichzeitig entwickelt werden). Ich benutze die Chemie aber meistens länger, ohne das ich sichtbare Verschlechterungen feststelle.

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